Österreichische Weine hatten einst den Ruf, meist „en masse“ produziert und billig zu sein. Ein großer Teil davon wurde nach Deutschland exportiert, um dort abgefüllt und verkauft zu werden. Eine normalerweise teure Beerenauslese wurde in Form eines österreichischen Weines erschwinglich. In den 1970er Jahren hatten viele österreichische Exporteure Verträge mit westdeutschen Diskonter-Ketten und Weinhändlern abgeschlossen. Diese Verträge gaben das Volumen an Wein von einer bestimmten Süße und Qualität vor. In den frühen 1980er Jahren führte der Klimawandel in Europa auch zu Veränderungen beim Weinanbau. Die Menge an Ernteerträgen war höher als zuvor und die Trauben konnten nicht die erforderliche Reife erreichen, die diese für eine gesteigerte Qualitätsstufe benötigten. Einige österreichische Weinhersteller kamen schließlich auf die Idee, die Chemikalie Diethylenglycol beizumischen, um die Qualität der Weine künstlich zu erhöhen.

Einige österreichische Weingüter begannen damit, die Chemikalie in ihren Weinen zu verwenden, um sie süßer (lieblicher) zu machen, bevor sie nach Deutschland geschickt wurden. Im deutschen Handel wurden sie entweder als österreichischer Wein verkauft oder gelegentlich auch mit deutschem, massenproduziertem Wein vermischt. Im Jahr 1985 wurde der Skandal aufgedeckt, als ein Hersteller ungewöhnlich große Mengen der Chemikalie auf seiner Steuererklärung erwähnte und nachdem der Zusatz auch in deutschen Laboratorien bestätigt worden war. Die Nachrichten sorgten auf der ganzen Welt für Schlagzeilen, zumal die Chemikalie eigentlich als Frostschutzmittel verwendet wird. Ein Konsum der Chemikalie war extrem gefährlich, obwohl eine tödliche Konzentration des Mittels normalerweise das Trinken von Dutzenden von Flaschen des gepanschten Weines erforderlich gemacht hätte. In einem Fall wurde in nur in einer Flasche, einer Burgenland-Beerenauslese, die dafür notwendige Menge schon überschritten.

Österreichische Weinexporte stürzten über Nacht ins Bodenlose und einige Länder verboten österreichische Weine insgesamt. Österreichs Jahre der Rekonvaleszenz zwangen es dazu, die Handelsgesetze anzupassen, sich auf den Weinbau zu konzentrieren und von der Massenproduktion abzuwenden. Die österreichische Wein-Renaissance und Qualitätssteigerung in den Folgejahren ist ein Beispiel für „Ende gut, alles gut“.